Hier hat jeder sein Lieblingstier

Milchviehbetrieb Kuhpon unterstützt als Schulpate Berufsorientierungsmesse um neue Auszubildende zu finden. ChristianBargull hat hier vor zehn Jahren seine Lehre abgeschlossen und seinen Platz im Unternehmen gefunden. Zusammen mit Ausbilder Reiner Göser erklärt er was den Beruf besonders macht.   

(SVZ, Lokalausgabe 2013) 

(Zeitungsartikel am Seitenende)

 

KAARZ/WEITENDORF Der in Kaarz 1993 erbaute Milchviehbetrieb Kuhpon ist ein modernes Landwirtschaftsunternehmen. Es betreut im Sternberger Seenland an zwei Standorten 960 Milchkühe. InKaarz kümmern sich 14 Mitarbeiter um die Milchproduktion.

Auf dem sauber gepflasterten, großzügigen Gelände mit dem markanten blauen Kuhgrafitti an der Stallfront werden Tierwirte ausgebildet. Für die Ausbildung zum Landwirt kooperiert Kuhpon mit den Landwirtschaftsbetrieben in Brüel, Groß Raden und Langen Brütz.

Ausbilder Reiner Göser, Landwirt Axel Behnke, Praktikantin Lea Rethmann, Tierwirt Christian Bargull und Stefan Schneider.

Ausbilder Reiner Göser, Landwirt Axel Behnke, Praktikantin Lea Rethmann, Tierwirt Christian Bargull und Stefan Schneider. Foto: Manuela Kuhlmann

Ausbilder Reiner Göser beschreibt sein Idealbild vom Schulabgänger, der hier in drei Jahren den Beruf des Tier- oder Landwirts erlernen
möchte: „Jung, dynamisch, aufgeschlossen und vor allem Freude am Umgang mit den Tieren“, fallen ihm als erstes ein. Natürlich sollten
die Jugendlichen fit und bewegungsfreudig sein, denn die Arbeit ist trotz moderner Technik, wie computergestützter Tierüberwachung,
körperlich anstrengend. Ein Muskelprotz brauche der Azubi aber auch im Umgang mit Kühen nicht sein, wie man an ihm sehe, scherzt der
drahtige Landwirt. Ein Tierwirt übernimmt die komplette Betreuung der Kühe. Das beinhaltet Pflege der Tiere, Reinigung der Stallanlagen,
Fütterung, Kontrolle beim Kalben, Besamung – eben die tierartgerechte Haltung. Die Futtereinlagerung in der Silageproduktion und die Klauenpflege
gehören ebenfalls dazu. „Letztendlich ist der Tierwirt für die Produktion eines hochwertigen Lebensmittelproduktes zuständig“, ergänzt Göser.

Die Azubis arbeiten mit hochwertiger Technik. Foto; Manuela Kuhlmann

Daher sei es wichtig, dass die Azubis zuverlässig sind. Sie haben die Verantwortung für wertvolle Tiere und arbeiten mit teuren Maschinen. Gern sind Bewerber mit einem guten Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss gesehen. Die Tendenz geht auch in der Tierwirtschaft immer mehr zur Überwachung und Steuerung mit Computersystemen, darum sollte der Azubi dafür ebenfalls aufgeschlossen sein. „Mir ist auch wichtig, dass die Eltern hinter dem Lehrling stehen“, so Göser. Mit 16 seien Azubis noch sehr jung, und da mache das viel aus. Dennoch kommt es schon besser an, wenn der Schüler selbst anruft und sich nach einer Ausbildung erkundigt und nicht die Eltern am Telefon sind, relativiert Reiner Göser.

Noch sind Plätze frei, gibt er einen Einblick in die Personalplanung. Schüler können bei Kuhpon ebenfalls ein Praktikum machen. Gute Auszubildende zu bekommen werde immer schwerer, ist sich Reiner Göser sicher. Ganz bewusst setzt das Unternehmen bei der Personalgewinnung
auch auf die Berufs- und Studienorientierungsmesse am 5. September im Parchimer Flame Club : „Die jungen Menschen aus der Region sollen sehen, dass es hier lohnenswerte Arbeit gibt“, sagt Göser, der selbst Vater von drei Kindern ist.

Christian Bargull hat bei Kuhpon bereits 2003 seine Ausbildung zum Tierwirt erfolgreich abgeschlossen. Danach zog es ihn für ein Praktikum
in die USA. Er wollte wissen, wie dort Viehwirtschaft betrieben wird. Hinterher hat er in einigen anderen Betrieben gearbeitet. Doch nun ist er wieder bei Kuhpon. Bei der Expansion des Betriebes hatte er die  Chance, sich ganz nach seinen Wünschen zu spezialisieren.
Er ist für die Aufzucht der Kälber zuständig. „Für mich kann es die nächsten zehnJahre ruhig soweiter gehen“, sagt er und streichelt
seinem Liebling, ein Jerseykalb, über den Kopf. „Ich liebe die Arbeit mit den Tieren und kann hier selbstständig in meinem Bereich tätig
sein“, sagt der 29-Jährige.

Christian Bargull ist im Unternehmen für die Aufzucht der Kälber zuständig.FOTOS: MANUELA KUHLMANN

Christian Bargull ist im Unternehmen für die Aufzucht der Kälber zuständig.FOTOS: MANUELA KUHLMANN

„Hier hat jeder seine Lieblingskuh“, plaudert Axel Behnke aus. „Das sind Tiere, die einem gegenüber besonders anhänglich sind“, so der
frisch gebackene Landwirt. Auch Axel Behnke sieht hier bei Kuhpon seine Zukunft. Nachdem er im August seine Lehre beendet hat, wird er
nun weiter zum staatlich geprüften Wirtschafter in der Fachrichtung Landwirtschaft ausgebildet. „Damit kann ich Abteilungs- oder Betriebsleiter
einer Anlage werden“, erklärt der 20-Jährige mit Karriereabsichten. Bei der Beschreibung des Arbeitsalltags fällt ihm ein „positiver“ Widerspruch auf:
„Natürlich macht man im Grunde jeden Tag dasselbe, hat ein sehr strukturiertes Arbeitsfeld. Aber wer mit Tieren arbeitet, weiß, dass kein Tag wie der andere ist. Man bekommt einen Blick für die Tiere.“ Das sei wichtig. Denn als Tierwirt sei man für die Kühe verantwortlich. Die Bereitschaft und das Verantwortungsbewusstsein, ein krankes Tier zu pflegen oder beim Kalben zu helfen, auch wenn Feierabend ist, sollten da sein. Der Lohn ist
neben einem erfüllenden Beruf und einem guten Gehalt dann hoffentlich der Blick aus den großen dunklen Kuh oder Kälbchenaugen, wenn
alles gut gegangen ist.

Fotos und Bericht: Manuela Kuhlmann

Am 5. September gehört das Landwirtschaftsunternehmen Kuhpon nicht nur zu den mehr als 60 Ausstellern auf der Berufs- und Studienorientierungsmesse in Parchim: Als Pate sorgt Kuhpon ebenfalls dafür, dass die Schüler an diesem Tag kostenlos zum Messeort kommen.
Insgesamt 13 Firmen teilen den Kostenfaktor „Fahrkosten“ von 18 Schulen unter sich auf. Dazu gehören auch Winston-Golf in Vorbeck
sowie das Schlosshotel Basthorst.  Die Geschäftsführerin des Schlosshotels, Marjon Hopman-Wolthuis, ist selbst Vorstandsmitglied
im Verein Schule Wirtschaft Parchim e. V., der die Messe in diesem Jahr erstmals organisiert: Es gebe so viele anspruchsvolle
Berufe, die man in der Region erlernen könne, unterstreicht Marjon HopmanWolthuis. Die Messe in Parchim sei ein sehr gutes Podium
für Firmen sich zu präsentieren und Schülern zu zeigen,dass sie als Fachkräfte von morgen gebraucht werden.