Frauenpower hoch zwei

Die Chefinnen von TMW-Hübner setzen bewusst auf weibliche Mitarbeiter / Unternehmensnachfolge bleibt weiblich
Marion Hübner-Puls und Tochter Sandra feiern Jubiläum- Gleichzeitig wird der Staffelstaab übergeben. Ein Text über Unternehmensnachfolge und Frauen im Handwerk. 

Erschienen in der  Norddeutsche Neueste Nachrichten (NNN), 2. Mai 2018

Zwei Frauen als Chefinnen im Handwerk, ob das gut geht? Beatrix Pahl hat lange überlegt, ob sie sich bei dem Maler-und Fußbodenbetrieb TMW Hübner in Sildemow als Bürofachkraft bewerben soll. Die taffe, dunkelhaarige schlanke Frau hat vorher in der Containerdistribution gearbeitet. Dort war sie die einzige Frau, kam mit den Männern gut zurecht. Da die Firma aufgelöst wurde, unterschützt sie jetzt Chefin Marion Hübner-Puls und ihre Tochter Sandra Hübner. Zum 25-jährigen Bestehen des Malerbetriebs TMW Hübner im August wird der Staffelstab von Marion Hübner Puls an Tochter Sandra übergeben.

Ein Prozess den beide schon seit fünf Jahren vorbereiten. Besonders die finanztechnischen und juristischen Hintergründe seien schwer zu lösen gewesen. Schlussendlich hat unsere  Hausbank uns nach drei Jahren Stillstand weiterhelfen können. „Zuerst hatte mein Mann, der unser Malermeister ist, Bauchschmerzen“, gesteht Marion Hübner Puls. Ein eigenes Unternehmen bedeutet viel harte Arbeit. „Ich habe dem Betreib immer alles untergeordnet“, resümiert  sie. Doch Sandra Hübner hatte die Chance, aus den Fehlern ihrer Eltern zu lernen. Die junge Frau geht einiges anders an. Bewusste Freizeiten mit der kleinen Tochter und  abschalten – das hat sie Mama bereits voraus. 

Gerade in der Männerdomäne Handwerk ist der Frauenanteil gering: Nur 25 Prozent aller Auszubildenden sind Frauen. „Die Arbeitszeiten stehen Kindern und Familie im Weg. Darum wagen sich Frauen kaum in kleine Handwerksbetriebe. Die Lösung von TMW Hübner: „Wir müssen im Betrieb wie in einer Familie agieren. Die Arbeitszeiten sind offener, die Kommunikation ist schneller. Flexibilität und Verständnis sind gefragt“, erklärt Marion Hübner-Puls. Tochter Sandra ist selbst Mutter und kennt daher die Nöte wie Kita-Öffnungszeiten und Kinderkrankheiten. „Doch wer will, findet eine Lösung“, sagt die junge Frau, die bewusst Frauen als Mitarbeiterinnen sucht. „Wenn Nachwuchs kommt, freuen wir uns. Im fairen Umgang miteinander lässt sich das gut planen“, ist sie sicher.  

Neben klassischen Malerarbeiten bieten die Handwerkerinnen auch dekorative Spachteltechnik, einzigartige Tapeten und hochwertige Fußböden an. „Ich glaube, dass wir bei der kreativen Ansprache von Kundinnen den Herren voraus sind“, sagt Marion Hübner-Puls. Die Kommunikation findet auf einer persönlichen Ebene statt. „Ich habe gemerkt, bei uns trauen sich die Frauen über ihre Visionen zu reden und sind viel offener. Männer sind gradlinig, da soll alles schon ganz klar sein“, sagt sie.

Sandra machte während ihres Bauingenieurstudiums in einem ähnlichen Betrieb ein Praktikum. Das merkte sie, wie viel Spaß ihr die Arbeit macht. Sie brachte die Freude an dem Beruf wieder zurück.“Ich habe selbst gespürt, dass ich emotional ausgedörrt war. Mit Sandra ist wieder Licht, Lachen und Fröhlichkeit in das Unternehmen gekommen“, sagt Marion Hübner-Puls und blickt liebevoll auf ihre Tochter. Sie habe langjährige Erfahrungen im Markt, doch diese behindern manchmal auch. Sandra gehe kreativ, mutig und enthusiastisch an neue Themen heran. Das ist ihre große Stärke. So wollten sie das Team mit zwei weiblichen Fachkräften verstärken. Marion Hübner-Puls hätte bei der Fachkräftelage niemals geglaubt, dass sie das bis 2018 schaffen. Doch Sandra hat neue Wege gefunden und das Team steht.

Ein Team, welches Wohnträume verwirklichen möchte und in dem sich Beatrix Pahl sehr wohl fühlt. Die Kinder von Sandra und Beatrix sind gleich alt, da ist für die Sorgen und Nöte ein offenes Ohr. Männer sagen doch eher „Ist doch nicht mein Problem“, ist ihre Erfahrung. „Meine Chefinnen sind da rücksichtsvoller. Ich habe die Bewerbung nicht bereut“, so Pahl.  

Erschienen in der  Norddeutsche Neueste Nachrichten (NNN), 2. Mai 2018