Pärchen stellt sich zur ersten Wahl mit Bierkönig

Zum achten Mal suchte die Forsthausbrauerei Trotzenburg ihre Rostocker Bierkönigin und zum ersten Mal auch den Bierkönig.  Jenny und Nick nutzen diese Gelegenheit und stellten sich als Paar gemeinsam der Wahl in dem gemütlichen Brauhaus in der Nähe des Zoos Rostock. Jenny war das letzte Jahr bereits dabei. „Mir ist die Wahl so wichtig“ erzählt sie, während sie noch einmal den Lippenstift nachzieht, „weil mein Vater und ich ein Ritual hatten. Wir saßen auf der Terrasse und tranken ein Bierchen. Dort entstand auch die Idee, an der Wahl teilzunehmen. Ich wäre so stolz auf Dich, waren seine Worte. Im letzten Jahr hat es nicht mit einer Platzierung geklappt, darum wollte ich es noch einmal versuchen“. Mit Rückendeckung von Ehemann Nick sei es natürlich etwas ganz Besonderes.

 

Mit Mut, Witz und Charme durch die erste Runde

Dass es sich durchaus lohnt, in einem Zweitversuch durchzustarten bewies die amtierende Bierkönigin Natalija Sukova. Sie hatte im letzten Jahr ebenfalls zum zweiten Mal mitgemacht und  gewonnen. Sie machte den Teilnehmerinnen Mut: „Überzeugt mit eurer Persönlichkeit und gebt von  Anfang an Gas“, sagte sie. Besonders gefürchtet ist die erste Runde: Hier entscheiden Wissen und Schlagfertigkeit bei Fragen des Moderators rund ums Bier und die Forsthausbrauerei. Mandy  war besonders aufgeregt: „Für mich ist der Wettbewerb die Möglichkeit, etwas Neues kennenzulernen und mich einmal ganz anderes zu präsentieren. So, wie es vielleicht einige gar nicht von mir erwarten würden“, erklärt die selbstständige Geschäftsfrau mit einem Reinigungs- und Babysitter-Unternehmen. Auch die Anwärter Posten des  Bierkönigs Leif und Florian  lockten weniger die Preise und das monatliche Taschengeld als Bierkönig. Es sei schon ein Abenteuer an einer Mister-Wahl teilzunehmen. Mit einer Breakdance- Einlage überzeugte der 22-jährige BWL Student Leif dann bereits in der ersten Runde die Jury. Zuvor hatte Elisa mit einer Hip Hopp-Performance grandios vorgelegt. Florian  punktete mit seinen Kenntnissen aus der Gastronomie besonders bei Jurymitglied Axel Fuchs. “Mich hat seine souveräne Art überzeugt”, erklärte der langjährige Gastronom. Er bohrte besonders nach, als es um die Aufgabe ging,  die Trotzenburg nach außen hin zu vertreten und auch im Brauhaus einige Abende mitzuarbeiten. Schließlich sei Gastronomie kein leichter Job.

 

Spaß und die Ausstrahlung im Dirndl und in Tracht

Studentin Monica hat bereits Erfahrungen mit Nebenjobs gesammelt und konnte diese bei den Bierspielen gut einsetzen. Diese zweite Runde im Dirndl und in Tracht ist nicht nur beim Publikum besonders beliebt. Hier zählten vor allen Dingen der Spaß und die Ausstrahlung. Die Aufregung hat sich schon etwas gelegt”, erklärt Kandidaten Carmen Succow, die mit einer Gesangseinlage von Halleluja punkten  konnte.  „Mir gefällt besonders die gute Stimmung untereinander“, sprach Mandy allen aus dem Herzen als nach der letzten Runde in Abendkleidung die Abspannung abfiel und miteinander spekuliert wurde, wer wohl gewinnen würde. Der Abend schweißt zusammen. „Lasst uns hier doch einmal zum Biertrinken treffen“, war die Idee.

 Pärchen-Bonus Jenny und Nick

Und der Pärchen-Bonus von Jenny und Nick? Gewonnen haben sie nicht, aber Jenny konnte als dritte eine Schärpe mit nach Hause nehmen und wird die Bierkönigin vertreten. Nick war doch sichtlich erleichtert, dass der Abend überstanden war und drückte seine Jenny noch einmal. Mit den Worten „Ich liebe diese Frau“  kürte er sie zu seiner persönlichen Königin und das war dann wohl der schönste „Titel“ des Abends.

Am Ende überzeugten das Power-Tanzpaar Leif und Elisa. Sie tragen nun den Titel Rostocker Bierkönigin und Rostocker Bierkönig 2018/19. Die Stellvertreterin der Königin ist die sympathische Studentin Monica.

Alle Fotos: Celien Graubaum
www.celiengraubaum.de

 

 

 

Die Gewinnerinnen zur Wahl der Rostocker Bierkönigin Miss Trotzenburg 2018/19: (v.l.n.r): Jenny, Elisa und Monica. 

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Lebensmittel in der Folienverpackung: Sicher, bunt und zukunftsweisend

Beitrag in der Broschüre über die Ernährungswirtschaft in Westmecklenburg 
Erschienen: Herbst 2014 / IHK Schwerin 

Ein heller Karton, darin bunt bedruckte, einzeln verpackte Teebeutel: Fragt man Doris Erhardt-Freitag nach dem innovativsten Produkt der Folienprint-Druckerei wird sie diese Teebox auf den Tisch stellen. Warum? „Jedes einzelne Tee-Sachet ist ein Unikat“, erklärt die Geschäftsführerin. Das Untenehmen mit Werk in Gallin stellt Folienverpackungen für Lebensmittel her. Seit März 2015 bietet es Digitaldruck im Bereich der flexiblen Verpackungen. Damit können nun auch kleine oder mittlere Mengen in hoher Druckqualität hergestellt werden, teure Druckplatten und lange Vorlaufzeiten sind passé. Bei den Tee-Sachets wurden insgesamt 30.000 Beutel bedruckt, dank Mosaik-Software ist jeder einzigartig. Doris Erhardt-Freitag ist sich sicher, dass damit im Bereich der Markenentwicklung und Kundenbindung ein völlig neuer Spielraum möglich sei: Personalisierungen, Gewinnaktionen, Saison- oder Aktionsware, Testimonial-Einbindung – solche Projekte sind nun mit Print-on-demand noch besser umsetzbar. Über VR-Codes könnten Kunden via App weitere Informationen oder zusätzliche Rezepttipps zum Produkt erhalten, denkt sie die Möglichkeiten weiter.

Neueste Technologien

In der Entwicklung von neuen Technologien arbeitet Folienprint eng mit Maschinenherstellern, Lieferanten und Kunden zusammen. „Als Unternehmen der RAKO Gruppe sind wir eines der ersten Unternehmen innerhalb der Industrie, die eine Beta-Testanlage bereits 2014 installierte“, erzählt Martin Lücke, Projektleiter für den Digitaldruck. Für den „Neuzugang“ brauchte das Unternehmen einen extra Raum – ihren Druck-Cubus – der strahlend weiß in eine der Hallen hineingebaut wurde. Nur dort kann eine Luftfeuchtigkeit von 50-70 Prozent und Temperatur von 22-25 Grad sichergestellt werden, die das Gerät für den optimalen Betrieb benötigt.

 

Nachhaltigkeit: Zusammen mit Milupa hat das Unternehmen mit StarSaver® eine ressourcenschonende Alternative für das teure und energieintensive Aluminium in Verpackungen für pulvrige Füllgüter wie Milchpulver oder Nahrungsergänzungsmittel entwickelt. Zusammen mit klimaneutraler Produktion und Folien aus nachwachsenden Rohstoffen ein wichtiger Schritt zu nachhaltiger Verpackung. „Bei der Entwicklung kam es darauf an, die gleichen Barriereeigenschaften zu erhalten wie bei Aluminiumverbundfolien“, erklärt Doris Erhardt-Freitag.

Insgesamt 400 Materialien stehen Folienprint bei der Produktion zur Verfügung. „Eine minimal veränderte Folienkomponente kann die Eigenschaften komplett verändern“, so Martin Lücke fasziniert. Im Vordergrund stehe immer das Ziel, das Lebensmittel zu schützen. So verhindern sie Verschmutzungen oder Beschädigungen durch mechanische Einflüsse. Ebenso halten Verpackungen schädliche Umwelteinflüsse wie Licht, Sauerstoff oder Feuchtigkeit fern. Dadurch werden Verderb durch Mikroorganismen, Aroma- und Vitaminverluste sowie Fremdgerüche eingedämmt. Aus Sicht von Produzenten und Händlern müssen Verpackungen wenig wiegen, einen schadensfreien Transport ermöglichen, standfest sein und sich gut stapeln lassen. Die Verbraucher erwarten, dass sich eine Verpackung leicht öffnen und schließen lässt. Neue Entwicklungen stellen zusätzliche Anforderungen: Fertiggerichte beispielsweise sollen sich direkt in der Packung erhitzen lassen.

Drei Sekunden für die Aufmerksamkeit

80 Prozent der Produkte präsentieren sich im Einzelhandel ohne Werbung und das bei rund 10.000 Produkten im klassischen Lebensmittelmarkt. Im Schnitt hat jedes Produkt drei Sekunden Zeit, um auf sich aufmerksam zu machen. Das wissen die Hersteller: Mit der vorgeschriebenen Lebensmittelkennzeichnung ist die Verpackung eine wichtige Informationsquelle, gleichzeitig auch Werbefläche und Kommunikationsmittel mit dem Verbraucher. „Im Kampf um den Kunden investieren Unternehmen viel in die Entwicklung der Verpackung“, weiß Karsten Schröder von der Innoform Coaching GbR, einem Beratungs- und Weiterbildungsunternehmen im Bereich der Folienverpackung. Verpackungen werden aufwändig gestaltet, der Trend geht zu immer mehr Farben und Vielfalt in den Produkten. „Sie spricht Emotionen an, ist das Gesicht des Produktes und der Markenträger“, so Schröder. Folienverpackungen seien im Vergleich zu Faltschachteln im Aufwand noch relativ begrenzt. Dennoch sieht der Experte hier die Zukunft. Der Standbeutel sei immer mehr im Kommen. Besonders der sparende Ressourcen-Einsatz im Vergleich zu Glasflaschen und Dosen sowie Funktionalitäten wie Lesbarkeit, Wiederverschließbarkeit, Handhabbarkeit oder Transport-Robustheit sind hier nur einige Schlagworte.

Vielleicht wird es eines Tages so sein, dass die Verpackung sogar zum Sammelobjekt wird, wie beispielsweise ein Tee-Sachet, das es nur einmal gibt. Martin Lücke würde es freuen, denn „viele Verbraucher ahnen gar nicht, wie viel Aufwand hinter Verpackung steckt, die nach dem Verzehr im Müll landet.“

Frauenpower hoch zwei

Die Chefinnen von TMW-Hübner setzen bewusst auf weibliche Mitarbeiter / Unternehmensnachfolge bleibt weiblich
Marion Hübner-Puls und Tochter Sandra feiern Jubiläum- Gleichzeitig wird der Staffelstaab übergeben. Ein Text über Unternehmensnachfolge und Frauen im Handwerk. 

Erschienen in der  Norddeutsche Neueste Nachrichten (NNN), 2. Mai 2018

Zwei Frauen als Chefinnen im Handwerk, ob das gut geht? Beatrix Pahl hat lange überlegt, ob sie sich bei dem Maler-und Fußbodenbetrieb TMW Hübner in Sildemow als Bürofachkraft bewerben soll. Die taffe, dunkelhaarige schlanke Frau hat vorher in der Containerdistribution gearbeitet. Dort war sie die einzige Frau, kam mit den Männern gut zurecht. Da die Firma aufgelöst wurde, unterschützt sie jetzt Chefin Marion Hübner-Puls und ihre Tochter Sandra Hübner. Zum 25-jährigen Bestehen des Malerbetriebs TMW Hübner im August wird der Staffelstab von Marion Hübner Puls an Tochter Sandra übergeben.

Ein Prozess den beide schon seit fünf Jahren vorbereiten. Besonders die finanztechnischen und juristischen Hintergründe seien schwer zu lösen gewesen. Schlussendlich hat unsere  Hausbank uns nach drei Jahren Stillstand weiterhelfen können. „Zuerst hatte mein Mann, der unser Malermeister ist, Bauchschmerzen“, gesteht Marion Hübner Puls. Ein eigenes Unternehmen bedeutet viel harte Arbeit. „Ich habe dem Betreib immer alles untergeordnet“, resümiert  sie. Doch Sandra Hübner hatte die Chance, aus den Fehlern ihrer Eltern zu lernen. Die junge Frau geht einiges anders an. Bewusste Freizeiten mit der kleinen Tochter und  abschalten – das hat sie Mama bereits voraus. 

Gerade in der Männerdomäne Handwerk ist der Frauenanteil gering: Nur 25 Prozent aller Auszubildenden sind Frauen. „Die Arbeitszeiten stehen Kindern und Familie im Weg. Darum wagen sich Frauen kaum in kleine Handwerksbetriebe. Die Lösung von TMW Hübner: „Wir müssen im Betrieb wie in einer Familie agieren. Die Arbeitszeiten sind offener, die Kommunikation ist schneller. Flexibilität und Verständnis sind gefragt“, erklärt Marion Hübner-Puls. Tochter Sandra ist selbst Mutter und kennt daher die Nöte wie Kita-Öffnungszeiten und Kinderkrankheiten. „Doch wer will, findet eine Lösung“, sagt die junge Frau, die bewusst Frauen als Mitarbeiterinnen sucht. „Wenn Nachwuchs kommt, freuen wir uns. Im fairen Umgang miteinander lässt sich das gut planen“, ist sie sicher.  

Neben klassischen Malerarbeiten bieten die Handwerkerinnen auch dekorative Spachteltechnik, einzigartige Tapeten und hochwertige Fußböden an. „Ich glaube, dass wir bei der kreativen Ansprache von Kundinnen den Herren voraus sind“, sagt Marion Hübner-Puls. Die Kommunikation findet auf einer persönlichen Ebene statt. „Ich habe gemerkt, bei uns trauen sich die Frauen über ihre Visionen zu reden und sind viel offener. Männer sind gradlinig, da soll alles schon ganz klar sein“, sagt sie.

Sandra machte während ihres Bauingenieurstudiums in einem ähnlichen Betrieb ein Praktikum. Das merkte sie, wie viel Spaß ihr die Arbeit macht. Sie brachte die Freude an dem Beruf wieder zurück.“Ich habe selbst gespürt, dass ich emotional ausgedörrt war. Mit Sandra ist wieder Licht, Lachen und Fröhlichkeit in das Unternehmen gekommen“, sagt Marion Hübner-Puls und blickt liebevoll auf ihre Tochter. Sie habe langjährige Erfahrungen im Markt, doch diese behindern manchmal auch. Sandra gehe kreativ, mutig und enthusiastisch an neue Themen heran. Das ist ihre große Stärke. So wollten sie das Team mit zwei weiblichen Fachkräften verstärken. Marion Hübner-Puls hätte bei der Fachkräftelage niemals geglaubt, dass sie das bis 2018 schaffen. Doch Sandra hat neue Wege gefunden und das Team steht.

Ein Team, welches Wohnträume verwirklichen möchte und in dem sich Beatrix Pahl sehr wohl fühlt. Die Kinder von Sandra und Beatrix sind gleich alt, da ist für die Sorgen und Nöte ein offenes Ohr. Männer sagen doch eher „Ist doch nicht mein Problem“, ist ihre Erfahrung. „Meine Chefinnen sind da rücksichtsvoller. Ich habe die Bewerbung nicht bereut“, so Pahl.  

Erschienen in der  Norddeutsche Neueste Nachrichten (NNN), 2. Mai 2018

Der Dirigent der 1000 Mahlzeiten

Das Team der Ivenacker Kinnerkök sorgt jeden Tag für das Wohl der AWO-Kindergartenkinder. Leiter Ralf Kriemann ist der Dirigent des „Küchenorchesters“, bei dem jeder Schritt und jeder Handgriff sitzen muss, um pünktlich um 9:30 Uhr mehr als 1200 Essen auf den Weg zu den kleinen hungrigen Mündern zu bringen. In der Reportage wird der Alltag in der Großküche gezeigt.

Leiter Ralf Kriemann hat alles im Griff.

10 Uhr – Kaffeepause: Gemeinsam sitzt das Team der Ivenacker Kinnerkök um den gedeckten Tisch im Aufenthaltsraum. Es gibt noch einmal eine große dampfende Tasse Kaffee und etwas Obst. Es gibt Lob oder Kritik, es gibt Spaß oder Ernstes und vor allem gibt es Miteinander. Denn während es in vielen Büros jetzt erst richtig los geht, haben die Köchinnen Ivonne Koczian, Susanne Schmedemann, Anja Roloff und  Koch André Obendorf  ihr Hauptwerk bereits vollendet. Zusammen mit ihren fünf Küchenhilfen und Beiköchen Stefan, Astrid, Steve, Steffi und Mirko aus einem Integrationsprojekt für Menschen mit Behinderung befüllten sie vor einer halben Stunde noch  im Minutentakt insgesamt 55 Thermoports für 32 Kindertagesstätten der AWO Demmin. In bewährten Bahnen und jeweils akribisch abzuhakenden Listen wanderten duftende Kartoffeln, heißes Gemüse und grammgenau portioniertes Fleisch in die mit kochendem Wasser gefüllten Wärmbehälter. Vor der Lieferzone warteten die Fahrer in entspannter Ruhe, genossen ihr Zigarettchen. Drinnen ist es dampfig-heiß, unerbittlich tickt die Uhr und Schweißperlen sickern von der Stirn in die akkuraten Kochmützen der Essensträger. Leiter Ralf Kriemann ist der Dirigent des „Küchenorchesters“, bei dem jeder Schritt und jeder Handgriff sitzen muss, um pünktlich um 9:30 Uhr mehr als 1200 Essen auf den Weg zu den kleinen hungrigen Mündern der AWO Kitas zu bringen. Es ist die heiße Phase, in der seine Leute über „Tische und Bänke springen, um das Futter raus zu bekommen.“ Mittag in einer Großküche kochen heißt pünktlich um sechs Uhr anfangen.

Der AWO-Chef muss auslöffeln

Ein paar Portionen gehen in die Verwaltung der AWO Demmin. Soll der Chef Klaus Schmidt ruhig auslöffeln, was er sich da eingebrockt hat! Schwer fallen dürfte es ihm nicht. Weil kein Anbieter gefunden werden konnte, der kindgerechtes Essen liefern kann, entschied sich der Geschäftsführer  2012 eine eigene Küche in Ivenack für die AWO Kindergärten einzurichten. In der Ivenacker Kinnerkök wird auf kleine Abmaße, beispielsweise bei Nudeln (Hörnchen statt Spagetti)geachtet. Es gibt kleine Bratwurst  und statt Rinderbraten und Schnitzel servieren die Erzieherinnen Hackbraten, weil den die Kinder besser kauen können. Scharfes oder Salziges steht nicht auf dem Speiseplan. Schrittweise sollte die Auslastung erhöht werden. Schmidt hatte noch keine Erfahrung im Kantinengeschäftt und Kriemann musste schauen, wie schnell wächst das Team zusammen. Zu dem  gehörten von Anfang an Menschen auch Menschen mit Handycab.

Freie Hand und großzügige Planung

Schaltzentrale: Sind alle Essen raus?

„Es war ein Glück, dass wir die Küche großzügig geplant haben“, weiß Ralf Kriemann heute, denn schneller als erwartet konnten alle Kitas beliefert werden. Kriemann hatte bei der Umsetzung freie Hand, setzte viel auf Teambildung und hatte Erfolg. Die ursprünglich für 500 Essen geplante Küche stockte schnell auf 1200 Essen auf und wurde rentabel. Was bei der Inbetriebnahme  überdimensioniert wirkte, kommt den Köchen und Küchenmitarbeitern heute zu Gute. „Dank der großzügigen Fläche können wir uns die Thermoports in der richtigen Reihenfolge aufstellen. Alle Komponenten – so die einzelnen Bestandteile des Menüs – können gleichzeitig gekocht werden. Jeder Koch hat seinen Bereich und auch die Hygiene-Anforderungen lassen sich besser umsetzten. Ein Luxus, den Ralf Kriemann wohl am mit am Meisten zu schätzen weiß: “Ich habe auch schon mit dem Rücken zur Wand gearbeitet und zwar im wörtlichen Sinne. Da musste ich mir die Thermoports stapeln. Das kostet Zeit, Kraft und Nerven“, erinnert er sich. Koch André Obendorf genießt sein eigenes Reich und seine zwei Schwenkpfannen. Mit denen kann alles gleichzeitig abgebraten werden, was Zeit spart. Wie durch eine unsichtbare Linie getrennt arbeitet er auf einer Seite der Küche, die Frauen wirbeln auf der anderen. Er ist zuständig für das Fleisch und die Soße, arbeitet an diesem Tag mit Stefan, mit dem es Hand in Hand geht. „Er hat es auch nicht immer leicht mit den ganzen Frauen hier“, schmunzelt Ralf Kriemann. Sein Geschenk an den ruhigen Obendorf. Er ist der unangefochtene Herr auf seiner Seite und an den Kombi-Dämpfer darf nur er ran. Dort schrieb er irgendwann seinen Namen dran, nachdem ihm die Frauen immer die Temperatur verstellten. André Obendorf hat in der Gastronomie gearbeitet und weiß „die unschlagbaren Arbeitszeiten“ zu schätzen. Über Kriemann sagt er – wie es so seine Art ist – ganz gelassen: „Wenn du anfängst zu diskutieren, hast du schon verloren“.

Erfolgreich im Tandem

Teamarbeit: Koch André Obendorf arbeitet gern mit den Behinderten von Integrationsprojekt zusammen.

Die Zusammenarbeit mit den Behinderten macht André Obendorf Spaß. Er hat auch einen Helfer, mit dem Chemie besonders gut stimmt. „Ihren Liebling haben sie alle“, weiß Kriemann. Dem Küchenleiter entgeht das mit seinen wachsamen Augen und dem Gespür fürs Personal nicht. Er kennt auch die kleinen Geschichten dahinter, weiß, dass es mal ein besonderes Geschenk gab, was die Arbeitsfreundschaft besiegelte. Aber die Tandems müssen immer mal wieder wechseln.“Ich weiß schon, wer besonders  gut zusammen arbeitet, aber das tut den Integrationskräften nicht gut. Sie schießen sich zu sehr auf einen Koch ein. Fällt der aus, klappt es in einer anderen Konstellation nicht mehr. „Die Zusammenarbeit mit den behinderten Mitarbeitern fordert, dass alle jeden Tag dran bleiben und immer wieder aneinander arbeiten. Es ist ein ständiges Rad“, erklärt Ralf Kriemann. „Kein Tag ist gleich, man kann nichts aufeinander aufbauen und fängt manchmal fachlich wieder von vorne an.  Astrid und Stefan haben eine Ausbildung zum Beikoch. Steve ist sogar Quereinsteiger. Er entschied sich für die Küche und wurde in eineinhalb Jahren in den Grundlagen ausgebildet. Die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen ist auch eine Lernaufgabe für die Köche: „Wir mussten akzeptieren uns auf sie einzustellen“, sagt Anja Roloff. „Wenn die Zusammenarbeit nicht klappt, dann müssen wir was ändern, denn sie können das nicht“, erklärt Ivonne Koczian ergänzend und nippt an ihrem Kaffee. „Sie gehören zu unserem Team, darum sind sie wichtig für uns.“ Darum ist es auch kein Problem, wenn am Ende der Schicht, alle gemeinsam anfassen, damit der Abwasch schnell gemacht ist.

Das sind meine Kinder

Das Team um Kriemann gibt jeden Tag sein Bestes, um gesundes und schmackhaftes Essen pünktlich auf den Teller der Kleinen zu bringen. Grundlage der Planung bilden die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die einmal jährlich schult. Der Küchenchef, der zehn Wochen im voraus seine Essensplanung macht seufzt: „Wir Mecklenburger lieben einfach Fleisch.“ Da sei es schon schwer, den Kleinen so oft Gemüse schmackhaft zu machen. Ich schummle etwas, gesteht er. „Ich lass die Wiener im Eintopf weg und mache lieber ein weiteres Menü mit richtig Fleisch.“ Was Kinder mögen, dass wissen die Köchinnen Ivonne, Susanne und Anja ganz genau. Alle drei haben selbst Kinder. Kriemann meint scherzhaft dazu: „Ich hab hier schon drei Kinder bekommen, wo soll das nur hinführen.“ Er ist für die Personalpolitik verantwortlich und hatte sich für junge Mitarbeiterinnen entschieden, aber er weiß auch, fallen Köche aus, geht das zu Lasten der anderen. „Wenn immer weniger das Gleiche leisten müssen, dann verheize ich meine Leute.“ Das ist etwas, was er vermeiden muss. Mit einem offenen Ohr an den Freuden und Sorgen seiner Mitarbeiter versucht er zu entscheiden, wie belastbar seine Mannschaft ist.

Koch und Seefahrer

Der gebürtige Demminer Ralf Kriemann wollte immer nur Koch werden, das wusste er schon ganz früh. Und er wollte zur See fahren. Da ließ er auch als Jugendlicher nicht mit sich verhandeln. Da konnte der Vater sogar mit dem unterschriebenen Maurervertrag in der Hand ankommen – das war schon was zu DDR-Zeiten. Letztendlich wird er doch Schiffskoch beim Fischkombinat. Im Gegenzug verpflichtet ihn der Staat zu drei Jahren in der Armee. Nicht nur das Kochen liegt ihm, sondern auch das Führen und Lehren. Mit 20 bildet er bereits Küchenleiter und Meister aus – eine Profession, die ihn sein Leben lang begleitet. Als Küchenchef, hauptberuflich bei einem freien Ausbildungsunternehmen und jetzt über das Integrationsprojekt.  Als er nach der Wende Kneiper wird, schmeckt ihm das gar nicht: „Da war ich nicht in der Küche“, stellt er einfach nur fest.

Das perfekte Küchenorchester

Das Team in der Ivenacker Kinnerkök.

Kriemann kocht nicht, er dirigiert: Weist auf Kleinigkeiten hin, springt mal ein, hat ein Auge auf die Zeit während der Hauptarbeitsphase von 7:00-9:30 Uhr. Seine Blicke wandern auf die Listen an der Wand auf der weißen Tafel. Hier ist die Schaltzentrale, das Logistik-Erfassungssystem – ganz einfach mit Stift und Häkchen. Alle Wege sind eingeschliffen, jeder weiß genau, was er zu tun hat. Jedem Koch ist eine Hilfe zugeordnet, jeder kennt seinen Platz. Wie in einem eingespielten Orchester geht es nun Hand in Hand. Die Fahrer warten, der Takt wird schneller. Ralf Kriemann lüpft die Deckel, kostet noch einmal … und merkt, „hier fehlt doch die Petersilie“ und ärgert sich, dass der Rest der Ladung schon raus ist. Denn Kriemann ist Perfektionist. Pünktlich da sein heißt, fünf Minuten früher und Petersiliendekoration ist Petersiliendekoration. Kriemann ist ebenso fair. „Es geht doch nur miteinander! Die Köche können mich total auflaufen lassen und dann häng ich hier den ganzen Tag nur am Telefon“, sagt er. Ein Zug den die Mitarbeiter sehr zu schätzen wissen. „Es bringt doch nichts, etwas zu verschweigen“, lacht Susanne Schmedemann. „Er hört alles und kriegt alles mit. Es ist ja fast schon unheimlich.“ Das geht auch den Erzieherinnen in der Kita so. Wenn Kriemann einfach mal so reinschneit und nachschaut: Wie wird das Essen serviert, schmeckt es. „Ich soll mich anmelden, das könnte denen so passen“, lacht er. Denn was gibt es schöneres als beispielsweise mal durch das Fenster des kleinen Kinderrestaurants in der Kita „Mischka“zu luken und die Kinder beim Essen zu beobachten. Andersrum kriegt auch er sein Fett weg. Fehlte was, waren die Kartoffeln zu wenig, wenn er Küchenleiter unterwegs war, kommt er mit oft mit einer Wunschliste zurück. Dann heißt es Teamsitzung in der Kaffeepause und dann feilt er wieder an seinem perfekten Küchenorchester.

Beitrag und Bilder: Manuela Kuhlmann, mit der Genehmigung der AWO Demmin / Erschienen in AWO Leben

 

Hier hat jeder sein Lieblingstier

Milchviehbetrieb Kuhpon unterstützt als Schulpate Berufsorientierungsmesse um neue Auszubildende zu finden. ChristianBargull hat hier vor zehn Jahren seine Lehre abgeschlossen und seinen Platz im Unternehmen gefunden. Zusammen mit Ausbilder Reiner Göser erklärt er was den Beruf besonders macht.   

(SVZ, Lokalausgabe 2013) 

(Zeitungsartikel am Seitenende)

 

KAARZ/WEITENDORF Der in Kaarz 1993 erbaute Milchviehbetrieb Kuhpon ist ein modernes Landwirtschaftsunternehmen. Es betreut im Sternberger Seenland an zwei Standorten 960 Milchkühe. InKaarz kümmern sich 14 Mitarbeiter um die Milchproduktion.

Auf dem sauber gepflasterten, großzügigen Gelände mit dem markanten blauen Kuhgrafitti an der Stallfront werden Tierwirte ausgebildet. Für die Ausbildung zum Landwirt kooperiert Kuhpon mit den Landwirtschaftsbetrieben in Brüel, Groß Raden und Langen Brütz.

Ausbilder Reiner Göser, Landwirt Axel Behnke, Praktikantin Lea Rethmann, Tierwirt Christian Bargull und Stefan Schneider.

Ausbilder Reiner Göser, Landwirt Axel Behnke, Praktikantin Lea Rethmann, Tierwirt Christian Bargull und Stefan Schneider. Foto: Manuela Kuhlmann

Ausbilder Reiner Göser beschreibt sein Idealbild vom Schulabgänger, der hier in drei Jahren den Beruf des Tier- oder Landwirts erlernen
möchte: „Jung, dynamisch, aufgeschlossen und vor allem Freude am Umgang mit den Tieren“, fallen ihm als erstes ein. Natürlich sollten
die Jugendlichen fit und bewegungsfreudig sein, denn die Arbeit ist trotz moderner Technik, wie computergestützter Tierüberwachung,
körperlich anstrengend. Ein Muskelprotz brauche der Azubi aber auch im Umgang mit Kühen nicht sein, wie man an ihm sehe, scherzt der
drahtige Landwirt. Ein Tierwirt übernimmt die komplette Betreuung der Kühe. Das beinhaltet Pflege der Tiere, Reinigung der Stallanlagen,
Fütterung, Kontrolle beim Kalben, Besamung – eben die tierartgerechte Haltung. Die Futtereinlagerung in der Silageproduktion und die Klauenpflege
gehören ebenfalls dazu. „Letztendlich ist der Tierwirt für die Produktion eines hochwertigen Lebensmittelproduktes zuständig“, ergänzt Göser.

Die Azubis arbeiten mit hochwertiger Technik. Foto; Manuela Kuhlmann

Daher sei es wichtig, dass die Azubis zuverlässig sind. Sie haben die Verantwortung für wertvolle Tiere und arbeiten mit teuren Maschinen. Gern sind Bewerber mit einem guten Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss gesehen. Die Tendenz geht auch in der Tierwirtschaft immer mehr zur Überwachung und Steuerung mit Computersystemen, darum sollte der Azubi dafür ebenfalls aufgeschlossen sein. „Mir ist auch wichtig, dass die Eltern hinter dem Lehrling stehen“, so Göser. Mit 16 seien Azubis noch sehr jung, und da mache das viel aus. Dennoch kommt es schon besser an, wenn der Schüler selbst anruft und sich nach einer Ausbildung erkundigt und nicht die Eltern am Telefon sind, relativiert Reiner Göser.

Noch sind Plätze frei, gibt er einen Einblick in die Personalplanung. Schüler können bei Kuhpon ebenfalls ein Praktikum machen. Gute Auszubildende zu bekommen werde immer schwerer, ist sich Reiner Göser sicher. Ganz bewusst setzt das Unternehmen bei der Personalgewinnung
auch auf die Berufs- und Studienorientierungsmesse am 5. September im Parchimer Flame Club : „Die jungen Menschen aus der Region sollen sehen, dass es hier lohnenswerte Arbeit gibt“, sagt Göser, der selbst Vater von drei Kindern ist.

Christian Bargull hat bei Kuhpon bereits 2003 seine Ausbildung zum Tierwirt erfolgreich abgeschlossen. Danach zog es ihn für ein Praktikum
in die USA. Er wollte wissen, wie dort Viehwirtschaft betrieben wird. Hinterher hat er in einigen anderen Betrieben gearbeitet. Doch nun ist er wieder bei Kuhpon. Bei der Expansion des Betriebes hatte er die  Chance, sich ganz nach seinen Wünschen zu spezialisieren.
Er ist für die Aufzucht der Kälber zuständig. „Für mich kann es die nächsten zehnJahre ruhig soweiter gehen“, sagt er und streichelt
seinem Liebling, ein Jerseykalb, über den Kopf. „Ich liebe die Arbeit mit den Tieren und kann hier selbstständig in meinem Bereich tätig
sein“, sagt der 29-Jährige.

Christian Bargull ist im Unternehmen für die Aufzucht der Kälber zuständig.FOTOS: MANUELA KUHLMANN

Christian Bargull ist im Unternehmen für die Aufzucht der Kälber zuständig.FOTOS: MANUELA KUHLMANN

„Hier hat jeder seine Lieblingskuh“, plaudert Axel Behnke aus. „Das sind Tiere, die einem gegenüber besonders anhänglich sind“, so der
frisch gebackene Landwirt. Auch Axel Behnke sieht hier bei Kuhpon seine Zukunft. Nachdem er im August seine Lehre beendet hat, wird er
nun weiter zum staatlich geprüften Wirtschafter in der Fachrichtung Landwirtschaft ausgebildet. „Damit kann ich Abteilungs- oder Betriebsleiter
einer Anlage werden“, erklärt der 20-Jährige mit Karriereabsichten. Bei der Beschreibung des Arbeitsalltags fällt ihm ein „positiver“ Widerspruch auf:
„Natürlich macht man im Grunde jeden Tag dasselbe, hat ein sehr strukturiertes Arbeitsfeld. Aber wer mit Tieren arbeitet, weiß, dass kein Tag wie der andere ist. Man bekommt einen Blick für die Tiere.“ Das sei wichtig. Denn als Tierwirt sei man für die Kühe verantwortlich. Die Bereitschaft und das Verantwortungsbewusstsein, ein krankes Tier zu pflegen oder beim Kalben zu helfen, auch wenn Feierabend ist, sollten da sein. Der Lohn ist
neben einem erfüllenden Beruf und einem guten Gehalt dann hoffentlich der Blick aus den großen dunklen Kuh oder Kälbchenaugen, wenn
alles gut gegangen ist.

Fotos und Bericht: Manuela Kuhlmann

Am 5. September gehört das Landwirtschaftsunternehmen Kuhpon nicht nur zu den mehr als 60 Ausstellern auf der Berufs- und Studienorientierungsmesse in Parchim: Als Pate sorgt Kuhpon ebenfalls dafür, dass die Schüler an diesem Tag kostenlos zum Messeort kommen.
Insgesamt 13 Firmen teilen den Kostenfaktor „Fahrkosten“ von 18 Schulen unter sich auf. Dazu gehören auch Winston-Golf in Vorbeck
sowie das Schlosshotel Basthorst.  Die Geschäftsführerin des Schlosshotels, Marjon Hopman-Wolthuis, ist selbst Vorstandsmitglied
im Verein Schule Wirtschaft Parchim e. V., der die Messe in diesem Jahr erstmals organisiert: Es gebe so viele anspruchsvolle
Berufe, die man in der Region erlernen könne, unterstreicht Marjon HopmanWolthuis. Die Messe in Parchim sei ein sehr gutes Podium
für Firmen sich zu präsentieren und Schülern zu zeigen,dass sie als Fachkräfte von morgen gebraucht werden.